VERTRAUEN AUF BEWÄHRUNG
WIE BRANDENBURG ZUM RECHTSSTAAT WURDE
Eine filmische Dokumentation (40 Min.)
Autor Kersten Schüßler
Redaktion Thomas Melzer
Vor 20 Jahren fiel die Mauer - und mit ihr stürzte eine überkommene Rechtsordnung. Die Revolutionsparole „Wir sind das Volk" ließ keinen Zweifel: Die Bürger übernahmen eine neue Rolle. Als Souverän entzogen sie dem Staat und seiner Gesetzesmacht das Vertrauen. In den Gerichtssälen zog Ratlosigkeit ein, die DDR-Justiz stürzte ins Bodenlose.
![]() |
![]() |
![]() |
Der Film „Vertrauen auf Bewährung" erzählt von fünf Richtern und einem Minister, die den Boden wieder eingezogen haben. In Frankfurt (Oder) begegneten sich im März 1991 Brunhilde Baumunk, zu DDR-Zeiten Vertragsrichterin im Ort, und der Amtsrichter Joachim Dönitz aus dem rheinländischen Krefeld. Für beide ist auf einmal alles neu. Sie lernt neue Gesetze, das Tragen einer Robe und die Verdrängung des Kollektivs durch das richterlich-unabhängige Ich. Er zieht in eine Plattenbauwohnung, lernt hilfsbereite Ost-Kollegen plötzlich als Angeklagte kennen, wird von der nachklingenden Überwachungsmentalität in der Straßenbahn überrascht und versucht Frieden zu stiften nach dem Modell der südafrikanischen Wahrheitskommission. In Potsdam und Brandenburg an der Havel bauen derweil der Diplomat Hans Otto Bräutigam und der Bundesrichter Peter Macke die brandenburgische Justiz nach einem Modell auf, das für sie nicht erste Wahl ist. Vergebens kämpfen sie, die zweizügige DDR-Struktur mit einheitlichem Eingangs- und Rechtsmittelgericht zu behalten. Erst viele Jahre danach vermag auch der Osten Standards zu markieren: Jörn Sanftleben, letzter Vorwende-Direktor des Kreisgerichts Brandenburg, sorgt als Schifffahrtsrichter dafür, dass heute bundesweit die absolute Fahruntüchtigkeit auch auf dem Wasser mit 1,1 Promille definiert ist. Den zweiten Teil seines Berufslebens bezeichnet er als den deutlich besseren, auch, weil er das Studium seiner Gerichtsakten nicht mehr mit Staatsspitzeln teilen muss. Zufrieden Bilanz zieht ebenso Hans-Joachim Pauckstadt, der sich eigentlich nur für zwei Monate von seinem Wuppertaler Amtsgericht an das Partnergericht in Königs Wusterhausen abordnen lassen wollte. Obwohl er dort die ersten Ohrfeigen seiner Laufbahn verpasst bekommt, bleibt er 15 Jahre. „Hier muss mehr gelacht werden!"
ist seine Parole als neuer Amtsgerichtsdirektor. Heute hält er lachend die Urkunde über die Ernennung zum „Ehren-Ossi" in die Kamera.
![]() |
![]() |
![]() |
Der Film „Vertrauen auf Bewährung" will in seiner exemplarischen Annäherung an vier brandenburgische Richter zeigen, wie die märkische Justiz vor allem durch die Persönlichkeit ihrer wichtigsten Entscheidungsträger Akzeptanz zurückgewinnen konnte. Dabei mussten gerade jene, die von Amts wegen Souveränität auszustrahlen haben, in der Stunde Null tiefgreifende Verunsicherung und biografische Brüche überstehen. Vertrauen in die dritte Staatsgewalt neu zu begründen gelang in Brandenburg wohl auch deshalb überzeugend, weil damit so konsequent wie nirgendwo anders ein personelles Gemisch aus Ost und West beauftragt worden ist.
Am Ende des Films wird deutlich: Der Rechtsstaat ist mehr als die ihn begründenden Gesetze. Er lebt nicht zuletzt durch seine Richter, über die wir wenig wissen.
Vertrauen auf Bewährung -
Wie Brandenburg zum Rechtsstaat wurde
Produktion Juni - September 2009
Dauer 40 Minuten
Autor Kersten Schüßler
Redaktion Thomas Melzer
Kamera Werner Peter
Schnitt Carlotta Kittel
Postproduction Martin Eberle
Hergestellt von der lizard Medien Produktion GmbH & Co KG
im Auftrag des Ministeriums der Justiz des Landes Brandenburg
- Downloads



Seite drucken