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21.12.2005Helle Nacht, dunkle Nacht - Weihnachten im Strafvollzug

Lebenszeit im Strafvollzug verbringen zu müssen ist der Preis für begangenes Unrecht. Weihnachten ist dieser Preis besonders hoch. In den sechs Brandenburger Justizvollzugsanstalten befinden sich zur Zeit  1235 Männer, 31 Frauen und 246 Jugendliche im geschlossenen Vollzug. Wie verbringen sie Weihnachten?

In der größten märkischen JVA Brandenburg an der Havel wird es am Nachmittag des Heiligabend einen Gottesdienst in der Sporthalle geben. In den Wohngruppen finden Feiern statt, die von den Gefangenen selbst organisiert werden, zum Teil unterstützt von einem Mitglied des Anstaltsbeirates. Am 1. Feiertag veranstalten die Untersuchungsgefangenen ein Skatturnier. Auf dem Speiseplan stehen u.a. Stollen am Heiligabend, Hirschgulasch am 1. und Entenkeule am 2. Feiertag. Der Tagesablauf erfolgt wie an anderen Sonn- und Feiertagen: 7 Uhr Wecken, 18 Uhr Einschluß in den Hafträumen. Besuch können die Gefangenen an den Feiertagen nicht empfangen. Geschenkpakete dürfen sie unter den strengen gesetzlichen Einschränkungen erhalten. Im Zweiwochenturnus dürfen Gefangene in der JVA Nahrungs- und Genussmittel einkaufen, die sie auch als Geschenke versenden können. In den Hafträumen sind künstliche Weihnachtsbäume mit Lichterketten bis zu einer Höhe von 40 cm zugelassen. Kerzen sind nur erlaubt, wenn sie von den Seelsorgern stammen. An den Feiertagen werden zwischen 63 und 83 Mitarbeiter der JVA im Dienst sein.

In der JVA Cottbus-Dissenchen finden am Heiligabend und am ersten Feiertag je zwei Gottesdienste statt. Zwischen Weihnachten und Neujahr wird es organisierte Skat-, Tischtennis-, Volleyball- und Fußballturniere geben. In allen Unterbringungsbereichen planen die Gefangenen Weihnachtsfeiern, in deren Mittelpunkt das gemeinsame Essen sowie das Anschauen von Videofilmen stehen. Auch in Cottbus gibt es Heiligabend u.a. Stollen, ein halbes Hähnchen am ersten und Wildgulasch am zweiten Feiertag.

Nach den Erfahrungen der JVA-Mitarbeiter ziehen sich viele Gefangene am Jahresende zurück und meiden Kontakte. Während der Feiertage werden besonders geschulte Bedienstete im Einsatz sein, die mit der spürbaren emotionalen Belastungssituation der Gefangenen professionell umgehen. Bei Bedarf steht zudem ein evangelischer Seelsorger für Gespräche oder zur Krisenintervention bereit. Die Gemeinde der  Oberkirche in Cottbus hat mit Unterstützung des Schwarzen Kreuzes eine Paketaktion für bedürftige Gefangene durchgeführt. Zahlreiche Gefangene haben in der Adventszeit Freizeitangebote genutzt, sich eigenen Weihnachtsschmuck zur Gestaltung ihrer Hafträume zu basteln. Im Keramik- sowie im Mal- und Zeichenzirkel haben Gefangene Geschenke für Verwandten angefertigt. 

In der JVA Cottbus sind an jedem der Feiertage 55 Bedienstete im 3-Schicht-System im Einsatz.

In der JVA Neuruppin-Wulkow wird es am Heiligabend sowie an den Feiertagen Gottesdienste für alle Gefangenen durch den katholischen Seelsorger der Anstalt geben. Für den ausgeschiedenen evangelischen Seelsorger gibt es bislang keinen Nachfolger. Die Hafthäuser und Gemeinschaftsbereiche der JVA sind weihnachtlich geschmückt. In den Hafträumen sind wegen der Brandgefahr und der Überlastung des Stromnetzes keinerlei Kerzen zugelassen. Viele Gefangene schmücken ihre Zelle bewusst nicht weihnachtlich, um die als belastend empfundene Weihnachtszeit wenigstens zeitweise verdrängen zu können. In der JVA besteht an den Feiertagen eine außerordentliche Rufbereitschaft der Mitarbeiter des psychologischen Dienstes sowie des Sozialdienstes, die Nachtschicht wird personell verstärkt. Mitglieder des Anstaltsbeirates werden gemeinsam mit den ortsansässigen Kirchengemeinden Weihnachtspakete an bedürftige Gefangene überbringen.

Auch in Wulkow können an den Feiertagen Gefangene keinen Besuch empfangen. In den Tagen davor und danach wird vorrangig der „Besuch für junge Väter“ ermöglicht, um der besonderen Bedeutung des Besuches von Kindern zur Weihnachtszeit Rechung zu tragen.

Auf dem Wulkower JVA-Speiseplan sind Wiener und Kartoffelsalat am Heiligabend, Entenkeulen am ersten und Wildgulasch am zweiten Feiertag angekündigt. In dieser – wie auch in den anderen JVA – werden vor den Feiertagen verstärkt Kontrollen nach unerlaubt angesetztem Alkohol durchgeführt. Im Einsatz sind hier täglich 20 bis 23 Mitarbeiter. 

In der JVA Frankfurt (Oder) – die mit 45 % den höchsten Ausländeranteil hat, darunter überwiegend Polen - wird es bereits am 21. Dezember eine Weihnachtsfeier des polnischen Pfarrers mit polnischen Gefangenen geben. Am 22. Dezember findet der traditionelle Weihnachtsgottesdienst des evangelischen Pfarrers mit dem Posaunenchor der Kirchgemeinde Lebus statt. Päckchen mit Süßigkeiten aus Spenden der Caritas werden an bedürftige Gefangene  übergeben. In der Adventszeit fand ein Weihnachtsbasteln mit Gefangenen unter Anleitung von Pfarrer Sucker statt.

Die Hafträume werden von 14.00 bis 16.30 aufgeschlossen. In dieser Zeit können sich die Gefangenen einer Station untereinander besuchen. Auf jeder Haftstation befindet sich ein großer geschmückter Weihnachtsbaum. In den Hafträumen sind Adventsgestecke mit bis zu 4 Kerzen sowie kleine künstliche Weihnachtsbäume zugelassen. Zu essen geben wird es Kartoffelsalat, Bockwurst und Stollen am Heiligabend, Thüringer Rostbrätel am ersten und Schweinebraten am zweiten Feiertag.

In der JVA werden an den Feiertagen jeweils 16 Mitarbeiter im Dienst sein; auch hier besteht Rufbereitschaft für nötige Kriseninterventionen.

In der JVA Luckau-Duben soll am 25.12. Entenkeule und am 26.12. Wildgulasch ausgegeben werden; am Heiligabend erhalten die Gefangenen Stollen und Obstbeutel. Für die inhaftierten Frauen veranstaltet der Bibelkreis Golßen bereits am 22.12. eine Weihnachtsfeier. Heiligabend gibt es für die männlichen Gefangenen einen evangelischen Gottesdienst, anschließend ein gemeinsames Kaffeetrinken mit den JVA-Mitarbeitern. In einigen Wohnbereichen werden die Gefangenen in den Teeküchen gemeinsam kochen. An den Feiertagen wird es ein Dart-, Skat- und Fußballturnier geben.

Der katholische Gottesdienst findet am zweiten Feiertag statt.

Viele Gefangene haben das ihnen durch § 33 Strafvollzugsgesetz gegebene Recht genutzt, sich ein Weihnachtspaket schicken zu lassen. Die JVA wird an den Feiertagen mit je 34 Bediensteten besetzt sein.

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